10 Argumente: Braucht Mein Kind Wirklich Ein Handy? Ab Wann Sind Kinder Handys sinnvoll?

Spätestens wenn die Kinder mit sechs Jahren in die Schule kommen, stellt sich den Eltern fogende Frage: Braucht unser Kind wirklich ein Handy? Und ab wann ist ein Handy überhaupt sinnvoll? Was taugen die Tarife der Mobilfunkanbieter, wie etwa „die Karte, die mitwächst“ der Telekom?

Für mich steht fest: Ein Handy in der Grundschule bleibt Tabu. Frühestens nach der Grundschule mit Beginn der fünften Klasse kommt ein Handy in Betracht. Wenn das Kind reif dafür ist. Warum das meine Meinung ist, werde ich weiter unten erklären. Für alle Eltern, die in dieser Zwickmühle stecken, werde ich alle Vor- und Nachteile aufführen und diskutieren. Wenn Du Dir nicht sicher bist, dann lies unbedingt weiter. Ergänzend empfehle ich auch diese Medienpädagogische Forschungsstudien und die Kampagne „Schau Hin“.

Vier Gewinnt vs. Handy

Ich möchte mal mit einem Vergleich beginnen. Wir alle kennen das Brettspiel „Vier Gewinnt“ von Hasbro. Natürlich, denn es ist ein Klassiker und von den Fantastischen Vier auch musikalisch für alle Zeiten verewigt worden.

Das Spielprinzip ist einfach und erscheint uns babyleicht. Dennoch ist es gar nicht so einfach von Vorschulkindern zu meistern. Was aber die wenigsten Eltern wissen: Das Spiel „Vier Gewinnt“ wird von Hasbro erst ab 6 Jahren empfohlen!

Genau das Kinderalter also, indem auch vernünftige Eltern ins Grübeln kommen. Braucht unser Kind ein Handy oder nicht? Ab wann ist ein Handy sinnvoll? Vergessen wir auch nicht, dass ein Standard-Handy heutzutage meistens bereits ein Smartphone darstellt. Alle diese Smartphones beherbergen modernste Prozessoren und haben eine unglaubliche Rechenpower.

Mir stellt sich das Problem so dar: „Vier Gewinnt“ kapieren die Kids noch nicht so richtig. Oder beginnen es gerade zu verstehen. Aber in der Hosentasche haben sie mehr Power als alle Superrechner des letzten Jahrhunderts zusammengenommen! Da muss ich schon ein bißchen schmunzeln und mit dem Kopf schütteln.

Dennoch bringen uns diese Gedankenspiele dem Kern des Problems nicht näher: Braucht unser Kind mit sechs Jahren ein Handy oder braucht es keins? Lasst uns das Problem analysieren und die verschiedenen Argumente dafür und dagegen sachlich abwägen. So kann sich jeder sein eigenes Urteil bilden. Und am Ende gebe ich Dir meine Einschätzung, wie ich die Sache sehe und warum.

Fünf Gründe, die für ein Handy bei Kindern sprechen:

  1. Handys sind keine exotischen Spielereien mehr. Sie gehören in unsere Alltagskultur, genauso wie Schuhe zubinden, Zähne putzen oder Taschenrechner bedienen. Somit müssen unsere Kinder diese Techniken früher oder später sowieso erlernen. Und durch die Anleitung der Eltern können Sie dies gleich richtig tun.
  2. Für die Kommunikation mit unserem Kind ist ein Handy ungemein praktisch. So können kurzfristige Stundenplanänderungen oder Verspätungen schnell per SMS mitgeteilt werden. Wenn etwas vergessen wurde, z.B. der Füller für das Diktat, kann Dein Kind schnell per Handy einen „Kurierdienst“ anfordern. Falls der Schulbus nicht kommt oder ein Unfall passiert, ist das Kind nicht auf sich alleine gestellt.
  3. Ein Handy erfüllt auch eine Kontrollfunktion. Als Elternteil kannst Du nicht ständig Dein Kind begleiten. Das wäre auch etwas wunderlich. Durchaus erlaubt und berechtigt sind jedoch sogenannte Kontrollanrufe. Damit kannst Du Dich mit Deinem Kind kurzschließen und feststellen, ob es sich schon auf dem Heimweg befindet, ob es alleine ist oder wann es nach Hause kommt.
  4. Vielleicht wirst Du darüber lachen, aber ein Handy ist auch eine Art Statussysmbol. Deshalb hat es eine wichtige soziale Komponente. Einfacher ausgedrückt bedeutet das, daß Dein Kind ab einem gewissen Alter von den Kameraden oder Kameradinnen ausgegrenzt werden kann, wenn es immer noch kein Handy hat. Das mag uns zwar nicht gefallen, ist aber einfach Fakt.  Und muß dementsprechend auch in Betracht gezogen werden.
  5. Notfälle und Gefahren: Stell Dir vor, Dein Kind wird von einem Fremden belästigt oder verfolgt. Oder vielleicht hat es sich verfahren und irrt hungrig am anderen Ende der Stadt umher. Seien wir ehrlich: In so einer Situation würden wir alles dafür geben, dass unser Kind ein zuverlässiges Handy bei sich hat und uns schnell und einfach erreichen kann.

Aber schauen wir nun einmal fünf Gründe an, die klar gegen ein Handy bei Kindern sprechen:

  1. Kinder lernen soziale Fähigkeiten im direkten Kontakt mit ihren Mitmenschen. Diese Fähigkeiten werden sie später ein Leben lang brauchen. Handys können diese direkten Kontakte verhindern. Statt also mit den Kameraden zu sprechen oder zu spielen, beschäftigt sich Dein Kind stundenlang mit seinem Handy. Somit können Störungen in der Entwicklung auftauchen.
  2. Wir alle kennen die Suchtgefahr bei Handys, insbesondere bei Smartphones. Stundenlang können wir damit zubringen, Nachrichten zu schreiben, im Internet zu surfen oder Spiele zu spielen. Diese Gefahr ist bei den Kindern natürlich noch größer. Da sie weniger diszipliniert sind, könnten sie einem hemmungslosen Rausch verfallen. Ohne Aufsicht sind dann schnell sechs Stunden auf dem Handy verbracht.
  3. Ein Handy kostet Geld bei der Anschaffung und bei der Benutzung. Auch kann man davon ausgehen, dass es bei Kindern schneller kaputt geht und spätestens alle zwei bis drei Jahre ersetzt werden muss. Es besteht die Gefahr, dass Dein Kind eine kostenpflichtige Nummer wählt, oder dass die Kameraden sein Handy für solch einen Streich missbrauchen. Roaming- und MMS-Gebühren sowie Sonderrufnummern und Kosten für Klingeltöne und Apps können schnell sehr hoch zu Buche schlagen. Wenn man mehrere Kinder hat, vermehren sich die Kosten dementsprechend.
  4. Andere Möglichkeiten der Kommunikation treten in den Hintergrund oder werden vergessen: Beispielsweise können Kinder keine öffentlichen Telefone mehr benutzen. Die Bezahlung per Münze oder Karte ist vielen nicht mehr vertraut. Aber auch alte Techniken, wie Haftnotizen oder gründliche Verabredungen und Planungen geraten immer mehr in Vergessenheit. Ganz zu schweigen von Briefen, Postkarten oder Telegrammen. Man kann sich ja jederzeit per Handy und SMS kurzschließen.
  5. Es ist zu Recht eine Horrorvorstellung für Eltern, wenn ihre Kinder heimlich mit Fremden kommunizieren oder anderen ihre Handynummern weitergeben. Man kann nur sehr schwer kontrollieren wer wann mit unserem Kind Kontakt aufnimmt. Ein Handy bietet auch Fremden die Möglichkeit, schnell und einfach mit Deinem Kind in Kontakt zu treten.

Sorgfältig abwägen

Diese Argumente müssen wir Eltern sorgfältig
gegeinander aufwägen. Wie wir uns auch entscheiden, es sollten klare Regeln und Bedingungen aufgestellt werden. Wer seinem Kind ein Handy in die Hand drückt und es einfach machen lässt, handelt grob fahrlässig.

Es mag angestaubt klingen, aber von wem soll den unser Kind lernen, wie man sich am Telefon meldet, wie man ein Gespräch führt und wie man sich verabschiedet? Ich kann Dir nur raten, Wert auf solche Kleinigkeiten zu legen und sie gemeinsam mit Deinem Kind zu trainieren.

Hinzu kommt der Umgang mit Anrufen und Nachrichten. Muss man wirklich jedesmal rangehen, wenn es klingelt. Was ist, wenn wir beim Essen sitzen oder wenn es gerade eine Standpauke gibt. Wieviele Telefonate sind erlaubt, und mit wem. Wie sieht es mit SMSen aus? All diese Punkte müssen geklärt werden. Ich denke mal, dass jeder hier seine eigenen Vorstellungen hat.

Eine neuere Entwicklung von seiten der Mobilfunkanbieter ist in diesem Zusammenhang sehr erfreulich. So bietet beispielsweise die Telekom mit der „Karte, die mitwächst“ und Informationsbroschüren, sowie derFamily Card einige Hilfestellungen für Familien mit Kindern. Auch der Handy-Führerschein mit Bibi und Sami zum spielerischen Einstieg in das Thema Handy geht in die richtige Richtung. Hier können wir uns als Eltern nur weitere innovative Produkte und sinnvolle Aufklärung wünschen.

 

Zusammenfassung

Wie gesagt, würde ich meinem Kind in der Grundschule vor der fünften Klasse kein Handy geben. Sie haben in dieser Phase einfach so viel neues zu bewältigen, wie beispielsweise Lesen und Rechnen lernen, Freundschaften schließen usw. Der Umgang mit dem Handy würde sie nur verwirren und zerstreuen. Außerdem lernen sie somit auch, wie wichtig es ist, dass man sich ordentlich verabredet und nicht herum trödelt.

Ich würde auch dem sozialen Druck jetzt noch nicht nachgeben, falls alle Freunde und Freundinnen bereits Handys besitzen. Da darf man sich ruhig etwas stur stellen. Mit dem Übergang von der Grundschule in die weiterführenden Schulen finde ich den perfekten Zeitpunkt gekommen, um über ein Handy für Dein Kind nachzudenken. Jetzt, mit ca. elf Jahren sind die Kinder reif genug, um ein Handy einigermaßen beherrschen zu können. Bedingung ist jedoch, dass Du Dein Kind an den richtigen Umgang, wie oben beschrieben, heranführst. Sobald ihr dann auch noch verbindliche Regeln aufgestellt habt, und Dein Kind sie verstanden und verinnerlicht hat, steht einem Handy für Dein Kind nichts mehr im Wege.

Wir freuen uns auf Deinen Kommentar.