Herbert Renz-Polster Und Gerald Hüther: Wie Kinder Heute Wachsen

Vorstellung von Herbert Renz-Polster und Gerald Hüther

Zur Abwechslung möchte ich Dir das Buch „Wie Kinder heute wachsen“ von Herbert Renz-Polster und Gerald Hüther vorstellen. Es handelt sich weniger um ein buch FÜR Kinder, sondern viel mehr ÜBER Kinder.

Der Stuttgarter Herbert Renz-Polster ist Kinderarzt und Wissenschaftler. Er hat selber vier Kinder und gilt als eine der renommiertesten Stimmen in der Erziehungsdebatte. Gerald Hüther zählt zu den renommiertesten Hirnforschern und interessiert sich speziell für die frühen Einflüsse auf die Entwicklung unseres Gehirns.

Gemeinsam versuchen sie in diesem Buch zu ergründen, was die Quellen einer gelungenen Kindheit sind und wie sie sich unser Leben lang auswirken. Wie bereiten wir unsere Kinder auf die Welt da draußen vor, die nicht in Plüsch gewickelt ist.

Was gibt einem Kraft im Leben?

Herbert Renz-Polster

Das Buch gefällt mir deshalb so gut, weil es eine ähnliche Einstellung wie ich, zur Erziehung von Kindern, annimmt und wissenschaftlich unterfüttert. Wenn ich mir so meine eigenen Gedanken über die schönsten Momente meiner Kindheit machte, kam ich immer wieder darauf zurück, dass es die Momente draußen in der Natur waren. Wenn ich an sie dachte, war ich niemals niedergeschlagen, entmutigt oder enttäuscht. Im Gegenteil: Ich stellte fest, dass ich aus diesen Erinnerungen Kraft für verschiedene Situationen im Lebensalltag ziehen konnte. Sei es Sport, Meditation, Beruf, Finanzen oder Familie. Und auch bei Bekannten konnte ich beobachten, dass die positiver eingestellten in ihrer Kindheit meistens viel Zeit in der Natur verbracht hatten.

Also nahm ich mir vor, meinen Kindern soviele dieser positiven Momente mit der Natur draußen zu verschaffen, wie nur irgend möglich. Denn was für uns gut war, kann für sie ja nicht so schlecht sein. Gleichzeitig beobachte ich um mich herum, wie Kinder mit Smartphones, Videospielen und Fernsehern aufwachsen ohne überhaupt auf einen Baum klettern zu können. Es gibt angeblich immer mehr Kinder, die nicht auf einem Bein stehen oder rückwärts gehen können. Besonders erschreckt mich dabei immer, wenn die Eltern stolz auf folgende Leistungen ihrer Kinder sind: „Meine Tochter lernt schon Englisch in der ersten Klasse“ oder „Unsere Kleinen können schon im Kindergartenalter Apps auf dem iPhone und iPad bedienen“ oder „Mein Sohn hat dieses X-Box-Spiel innerhalb von drei Stunden durchgespielt.“ Ich finde dass das keine erstrebenswerten Ziele für Kinder sein sollten.

Herbert Renz-Polster und Gerald Hüther kommen auf den Punkt

Und genau diese Punkte greifen  Herbert Renz-Polster und Gerald Hüther hervorragend auf und vermitteln in einer klaren und verständlichen Sprache, wo man die Grenzen der modernen Technik ziehen sollte. Sie erklären, warum es nicht dasselbe ist, eine Naturdokumentation anzusehen oder raus in den Park zu gehen. Sie zeigen uns, warum die Natur mit ihren ständigen kleinen und großen Hindernissen, Unbequemlichkeiten und Einladungen zur Bewegung, uns fordert und fördert. Genau das also, was durch stundenlanges fernsehen und Bewegungsmangel fehlt. Wohl aber können Kinder sich alternativ beispielsweise in Videospielen austoben und entfalten. Und ebenso sind moderne Spielsachen mit elektronischer Unterstützung nicht von Grund auf zu verteufeln. (Klar sind Holzspielzeuge Made in Germany gegenüber Plastikware aus China zu bevorzugen. Aber nicht jede Familie kann sich diese oft teuren Spielwaren leisten. Dass sie aber länger halten und einen hohen Restwert behalten, am Ende also günstiger sind, wird leider nicht bedacht.)

Solange man vernünftige Grenzen setzt, können sich beide Welten ergänzen. In der Großstadt-Realität ist es nicht so einfach, schnell mal in den Park, in den Wald oder an einen See zu kommen. Viel Zeit, Geld und Energie ist notwendig um einen Ausflug zu unternehmen. Deshalb muss man offen gegenüber Alternativen und neuen Ideen sein. Diese Offenheit tut dem Buch sehr gut. Nichts wird dogmatisch ausgeschlossen oder gefordert, sondern vieles mit großer Leidenschaft durchgespielt. So werden aktuelle Entwicklungen in den Erziehungsstätten Kita und Grundschule sowie im Beruf und in der Gesellschaft besprochen und Probleme mutig benannt. Dabei tragen sie ihre Punkte unterhaltsam vor und verzichten angenehmerweise auf intellektuelle Debatten über abstrakte pädagogische Theorien.  Man spürt jedoch das enorme Wissen, welches hinter den beiden Köpfen steckt und immer wieder zum Vorschein kommt.

Back to the roots

Man kann den Inhalt ein bißchen mit dem Motto „Back to the roots“ zusammenfassen, im Sinne von Zurück zur Natur. In acht Kapiteln können Eltern, die die Verantwortung für ihre Kinder nicht abgeben wollen, Anregungen aus den wunderschönen Beispielen ziehen und sofort selber anwenden. Großen Wert legt Herbert Renz-Polster auch auf die persönliche Nähe zu den Kindern. Er möchte nicht, dass die Kinder nur sich selbst überlassen werden und in sicherer Distanz groß werden. Für ihn folgt aus Nähe nicht automatisch Verwöhnung. Versuche mit Primaten zeigen, dass je weniger Nähe zwischen Kind und Mutter zugelassen wird, desto auffälliger die Verhaltensstörungen sind. Es gilt einen Zwischenweg zwischen „wohlgesonnener Diktatur“ und antiautoritärer Erziehung zu finden. Kinder haben sich in den letzten Jahrzehnten viele Rechte erkämpft, diese gilt es auch weiterhin hoch zu halten.

Fazit

Gemeinsam als Familie kann man also die Natur am besten entdecken. Und mit Natur sind in diesem Buch nicht nur Feld und Wiese gemeint, sondern zur Not auch Fabrikruinen, leere Hallen, Hinterhöfe und ähnliche urbane Räume. Ist die Natur denn gefährlich? fragt Herbert Renz-Polster und nimmt uns Eltern die Angst davor, rauszugehen und die Kinder der Natur zu übergeben. Wenigstens für einige Stunden. Das Ergebnis sind Kinder, die wichtige menschliche soziale Werte leben lernen und denen Materialismus und Konsum nicht über alles gehen.

Ich kann mich abschließend der Meinung von  Herbert Renz-Polster und Gerald Hüther in vielen Punkten anschließen. Auch wenn sie mir nicht die Augen geöffnet haben, da wir das alles schon lange praktizieren, wünsche ich mir, dass soviele Eltern wie möglich dieses Buch in die Hände kriegen. Unsere Kinder werden es uns danken.

Ich hoffe, dass ich Dein Interesse an diesem unterhaltsamen und lehrreichen Buch wecken konnte. Falls ja, empfehle ich Dir „Wie Kinder heute wachsen“ von Herbert Renz-Polster und Gerald Hüther hier auf Amazon anzulesen.

Solltest Du dieses Buch schon kennen oder andere spanndende Literatur über Kinder suchen, so rate ich Dir, hier die beliebtesten Pädagogik Bestseller anzusehen. Dort findest Du sicherlich noch den ein oder anderen Schatz.

 

Weitere interessante Links:

Pädagogik – Wikipedia-Eintrag
Erziehung – Wikipedia-Eintrag
Interview mit Herbert Renz-Polster – Kinder-Verstehen.de

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