Mein Kind Will Nicht Schlafen! Licht Aus Und Türe Zu?

Heute sprechen wir darüber, was Du tun kannst, wenn Dein Kind nicht einschlafen will oder wenn es vor dem Einschlafen weint und schreit. Ich gebe Dir einen kleinen Überblick und erkläre, warum Dunkelheit, Stille und geschlossene Kinderzimmertüren für eine angenehme Nachtruhe unverzichtbar sind und wie Du das mit Deinem Kind erreichst. Doch eins nach dem anderen.

Jeder Mensch, jedes Kind schläft anders ein

Keine zwei Menschen auf der Welt haben exakt dasselbe Einschlafritual. Deshalb ist es zunächst auch völlig normal, wenn unsere Kinder ihre ganz eigenen Zu-Bett-Geh-Routinen entwickeln. Problematisch wird es nur, wenn diese Routinen zuviel werden oder nicht zu einem friedlichen Einschlafen und Durchschlafen führen. Oftmals ist das Prozedere beim Schlafen gehen nämlich viel, viel zu aufwendig!

Wir reden hier von Kindern ab ca. drei Jahren bis in das Grundschulalter hinein. Die Schlafmuster- und gewohnheiten der Kinder ändern sich während des Aufwachsens enorm. So schläft ein Baby nur in kurzen Intervallen und erst langsam pendelt sich ein Tag- Nacht-Rhythmus ein. Auch die Einschlafdauer und die Fähigkeit Nachts durchzuschlafen entwickelt sich je nach Alter und von Kind zu Kind unterschiedlich. Deshalb musst Du beachten, dass hier nur allgemeine Situationen besprochen werden können und das jedes Kind ein einzigartiges Individuum ist.  Weitere Informationen hierzu findest Du in diesen Büchern von Dr. Sears oder Elzabeth Pantley.

Wenn wir einmal alle Ausnahmesituationen, wie
Krankheit, Urlaub, Erster Schultag usw. kurz ausblenden und uns auf einen ganz normalen Abend vor dem Schlafengehen konzentrieren; Dann sollte das zu Bett gehen und einschlafen für ein Kleinkind kein unnötiges Theaterspiel mehr sein. Selbstverständlich verstehen die Kleinkinder noch nicht völlig, was es mit dem geheimnisvollen Schlaf auf sich hat. Und in der Tat bedeutet Schlafen jede Nacht den vorübergehenden Tod des Bewusstseins und ein Abtauchen in den Ozean des Unbewussten. Selbst uns Erwachsenen kann diese Vorstellung ein Schaudern über den Rücken jagen. Dennoch weiß jeder Mensch, wie wichtig, notwendig und erquickend eine Mütze voll Schlaf ist.

Kommen wir zurück zu den Kindern: Selbst ein nur dreijähriges Kind ist in seinem Leben MINDESTENS schon 1.000 mal eingeschlafen und wieder aufgewacht. Gerade für Kinder ab ungefähr drei Jahren gibt es also überhaupt gar keinen Grund, irgendwie Angst vor dem Einschlafen und Aufwachen zu haben. Dennoch sieht es in der Wirklichkeit völlig anders aus: Da wird getobt und geheult und getröstet und gedroht, und es wird noch eine Geschichte vorgelesen und noch ein Hörspiel vorgespielt. Das Licht muss unbedingt an bleiben und die Türe immer offen sein. Die Mama muss am Bett sitzen und die bösen Geister verscheuchen und Händchen halten, bis der Prinz oder die Prinzessin sich bequemt, einzuschlummern…

Können wir Eltern überhaupt als Vorbild dienen?

Und das ist nur die normale Version. Es gibt auch noch die Konstellationen, wo sich die Mama noch mit ins Bettchen legt, wo noch Nintendo oder Playstation gezockt werden, ein Film geguckt oder jeden Abend gebadet wird. An die Gabe von Beruhigungsmitteln und Schlaftabletten an Kinder möchte ich an dieser Stelle nicht einmal denken. Worauf ich hinaus will, ist folgendes: Im Kinderzimmern gibt es zuviel Tram-Tram, zu viel Wirbel um das Einschlafen. Wir lassen uns von unseren Kindern die absurdesten und aufwendigsten Rituale aufzwingen ohne es zu bemerken und halten das alles auch noch für ganz normal. Nein! Es ist alles andere als ganz normal. Und wenn Du jetzt denkst: Wie kann man nur so herzlos sein und sein Kind ohne Licht, ohne CD Player und bei geschlossener Türe ins Bettchen schicken? Dann behaupte ich, daß man dadurch seinem Kind den größten Gefallen tut. Meiner Meinung nach muß ein Kind nämlich zunächst lernen, die Stille zu akzeptieren und sich nicht davor zu fürchten. Erst dann darf es auch mal mit einem guten Hörspiel im CD Player einschlafen oder mit dem Elternteil zusammen kuscheln. Aber nicht anders herum! Es sollten stets Ausnahmen bleiben. Denn Licht, Musik und sonstiges TamTam übertönen nur die Angst des Kindes vor der Nacht. Sie tragen aber nicht dazu bei, dass es sich dieser unbegründeten Angst stellt. Wer jetzt glaubt, dass sich das mit der Zeit schon regelt, der geht eine gefährliche Wette ein; Kann es sein, daß sogar viele Erwachsene nie richtig gelernt haben, wie man einschläft und bis heute Probleme damit haben? Dass sie immer vor dem laufenden Fernseher oder mit Kopfhörern oder mit einem Buch bei Licht einschlafen? In Umfragen und Studien gaben knapp 64% der Deutschen an, keinen erholsamen Schlaf zu finden und es wird vermutet, daß immerhin 10% der Bevölkerung gelegentlich oder öfter mal Schlafmittel einnehmen müssen.

 

Wie also sollte das Einschlafen im Optimalfall aussehen?

Im besten Fall sollten sich Eltern nach dem natürlichen Tagesrhythmus richten. Das bedeutet mit Anbruch der Dämmerung sollte das Abendessen bereits eine Weile zurückliegen und Umziehen, Toilette und Spielen sollten abgeschlossen sein. Jetzt muss es deutlich ruhiger und stiller werden. Auf keinen Fall würde ich dem Kind aufwühlende Fernsehnachrichten oder ähnliches zumuten. Ein oder zwei geeignete Gute Nacht Geschichten sind ok, sollten aber bei minimalem Licht vorgelesen werden. Anschließend kann man noch kurz über die Geschichte oder den Tag allgemein sprechen und einen positiven Ausblick auf den morgigen Tag geben. Nun sollte man auf strikte Bettruhe bestehen und für Dunkelheit und absolute Stille sorgen. Auch die Türe zum Kinderzimmer sollte geschlossen oder wenigstens zugelehnt werden dürfen. Natürlich wird das nicht auf Anhieb klappen, aber man muss unbedingt konsequent darauf hin arbeiten und darf von der eingeschlagenen Linie nicht abweichen. Beispielsweise kann die Türe jeden Abend etwas weiter zugemacht werden, bis es dem Kind nichts mehr ausmacht, wenn sie nicht weit offen steht. So merkt das Kind, dass es ohne etwas zu befürchten alleine schlafen kann und Mama oder Papa im „Notfall“ nicht weit sind. Dieser Schritt, oder besser gesagt, diese Schritte weg von der offenen Türe können einen Wendepunkt darstellen und sind sehr wichtig für den Familienfrieden. Schließlich haben wir Eltern auch ein Leben und wollen vielleicht noch reden, Fernsehen oder Musik hören. Das alles sollte nicht ins Kinderzimmer dringen. Auch wenn es Kinder zu beruhigen scheint. Beim Thema Licht bei Nacht kann man mit einem Kompromiss, wie dem Twilight Turtle beginnen. Dieses projiziert nette Sterne an die Decke, ohne das es mit dem normalen Deckenlicht oder einer Lampe in Verbindung gebracht wird. Deren Einsatz kann man dann nach und nach zurückfahren und plötzlich ist die Dunkelheit überhaupt kein Thema mehr.

Wer hat Angst vor dem Schwarzen Mann?

Wenn das Kind Angst vor Spinnen, Geistern oder dem Schwarzen Mann hat, kann man es auf angenehme Gedanken bringen. Meiner Erfahrung nach funktioniert das besser, als sich GEGEN eine unbegründete Angst zu stemmen. Man fordert sein Kind auf, an drei schöne Sachen zu denken und mit diesen Personen und Gegenständen im Kopf eine Geschichte zu spinnen. So kann das Kind wunderbar mit einem Lächeln auf den Lippen in den Schlaf hinüber gleiten. Und die Angst vor den Nachtgeistern ist bald vergessen und überwunden. Am allerbesten ist es jedoch, und das gilt explizit auch für Erwachsene, wenn die Gedanken gänzlich zur Ruhe kommen und man an gar nichts mehr denken muß. Dann ist der Schlaf nicht mehr weit und eine angenehme und erholsame Nacht fast garantiert! Natürlich kann man den Kindern nicht die Kunst der Meditation beibringen, aber wenn man sich selber damit beschäftigt hat, kann man eventuell besser erkennen, was das Kind zur Ruhe kommen lässt und was nicht. Auch merken Kinder sehr wohl, ob die Eltern mit ihren Gedanken ganz woanders sind. Aufwühlende Gedanken an unbezahlte Rechnungen, Geldsorgen oder Beziehungsprobleme sollte man unbedingt vom Bett des Kindes fern halten. Das ist nur fair, denn sie gehören dort nicht hin, oder? Wenn Du Dich in dieser Richtung etwas gründlicher informieren möchtest, empfehle ich Dir den Klassiker Jetzt! von Eckhart Tolle oder sein Bilderbuch Miltons Geheimnis speziell für Kinder.

Dein Kind will nicht schlafen? Keep Calm And Get Some Professional Help!

Wie immer gilt natürlich auch beim Thema Schlafen gehen: Sollte ein friedliches Einschlafen per se nicht möglich sein oder sich die Situation stetig verschlimmern, sollte man sich professionelle Hilfe holen. Der Kinderarzt Deines Vertrauens kann Euch bestimmt weiterhelfen, beispielsweise mit psychologischer Beratung oder einer behutsamen Therapiemöglichkeit. Eventuell kann man sich auch an die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) wenden.

Übrigens: Eine Methode funktioniert immer und überall: AUSPOWERN! Geh mal einen Tag in den Zoo oder auf einen großen Flohmarkt. Oder im Sommer an den Strand oder macht einen Ausflug durch den Wald zur Grillhütte und zurück. Wenn wir platt sind, sind es die Kids erst recht. Meistens schlafen Sie noch auf der Heimfahrt tief und fest ein. Spätestens im Bett fallen die Augen sofort zu, egal ob das Nachtlicht brennt, ob jemand Händchen hält oder ein Liedchen singt. Sprich ruhig mit Deinem Kind darüber, wie es so schnell ohne TamTam einschlafen konnte. Es wird ganz stolz darauf sein und eventuell sogar beginnen zu verstehen, dass es den ganzen HokusPokus nicht benötigt.

 

Jedenfalls sollte man das Thema durchaus ernst nehmen und dran bleiben. Denn schließlich verschlafen wir gut ein Drittel unseres Lebens und wenn schon, dann sollte man es doch richtig machen. Jedes Kind kann schlafen lernen.

Wie sind Deine Erfahrungen mit dem Thema Einschlafen? Habt Ihr es im Griff, oder gibt es da Klärungsbedarf? Ganz besonders willkommen sind natürlich Tipps und Empfehlungen aus eigener Erfahrung. Vielen Dank im Voraus.

Gute Nacht Da draußen, wo immer Ihr auch seid!

 

Weitere interessante Links:

Wikipedia-Eintrag: Schlaf
Die Welt-Artikel: Schlaftabletten sind schwer gesundheitsschädlich
Youtube-Video: Hilfe, mein Kind will nicht ins Bett!

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